Eine Schwelle ist kein Ort, an dem man bleibt. Sie ist die Linie, an der das eine aufhört und das andere noch nicht begonnen hat. Wer auf ihr steht, ist nicht mehr hier und noch nicht dort, und genau das macht sie so unheimlich und so mächtig.
Denn auf der Schwelle fällt die Form weg. Die Rolle, die du gespielt hast, passt nicht mehr, und die neue ist noch nicht gewachsen. Du wirst dünnhäutig, die Träume werden lauter, alte Erinnerungen steigen auf, ohne dass du sie gerufen hast.
Du bist Teil dieser Schwelle geworden, denn nur wo etwas offen ist, kann etwas Neues eintreten.
Jede Schwelle trägt auch einen kleinen Tod in sich. Etwas endet, auch wenn von außen alles gleich aussieht. Und was nicht verabschiedet wird, bleibt wie ein Schatten im Haus. Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns auf der Schwelle so allein fühlen, obwohl sie der Ort ist, an dem alle irgendwann stehen. Jede Frau vor dir hat dort gestanden, und keine ist schneller hindurchgekommen, als es ihre Zeit erlaubte.
Mehr über diese Zeit und über das, was in uns sterben darf, das, was danach zu wachsen beginnt, findest du in meinem Buch „Zwischen Nebel und Erinnerung”.
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